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Pfunderer Joch PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Marco Toniolo   
Friday, 2. March 2007
Beitragsinhalt
Pfunderer Joch
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Zweitagestour am Pfunderer Joch


Der Regen prasselt laut auf dem Dach. Immer wieder hellt ein Blitz die Bergkämme auf, für kürze Momente ist es immer wieder taghell. Wenige Sekunde später donnert es. Alles vibriert, das Echo im engen Tal scheint für Ewigkeiten zwischen den Bergen gefangen zu sein. Eine andere Art von Donner kommt links von mir. Toby schnarcht laut wie eine Kettensäge. Piergiorgio und ich sind wach und bewundern den festen Schlaf unseres Kumpels, während draußen seit Stunden fast die Welt untergeht. Plötzlich runzelt er seine Stirn, mit einer Hand fasst er sich an sein Gesicht. Es tropft vom Dach, direkt auf seine Nase. Schluss mit dem Schlafen, erst muss eine trockene Stelle in der Almhütte gefunden werden, was ohne Licht nicht gerade einfach ist. Zwischen einem Blitz und dem anderen macht es sich Toby unter dem Tisch bequem. Nach wenigen Sekunden schnarcht er wieder. Die stürmische Nacht auf dem Weg zum Pfunderer Joch geht weiter, die Gewitterfront nimmt kein Ende. Wenig später schließen sich meine Augen. Morgen ist auch ein Tag, laut Wetterbericht sollte die Sonne zum Vorschein kommen. Ich träume von Bombardements und Feuerwerke.

pfunderer joch by marcotoniolo.com



Unsere idyllische Idee von einer Nacht unter freiem Himmel ist tatsächlich ins Wasser gefallen. Vollgepackt mit leichten Schlafsäcken, warmen Klamotten und Vinschgauer Bauernbroten fürs Abendessen und Frühstück sind wir heute von Sterzing in Richtung Pfunderer Joch und seinem legendären Trail ins Pustertal aufgebrochen. 78 Km und 2380 Höhenmeter, die an einem Tag zu schaffen sind, wurden auf zwei Tage verteilt, damit wir unter Freunden eine Nacht im Freien am Lagerfeuer verbringen könnten. An die Frage „Was machen wir, wenn in der Nacht ein Gewitter kommt?“ bekamen meine Kumpels die Antwort, es gäbe ein paar Almen, in denen wir notfalls schlafen könnten. Mehr wusste ich auch nicht. Ich war das letzte Mal im Winter bei einer Skitour dort unterwegs, und auf den Fotos konnte ich, unter Meter vom Schnee, einige Almen erkennen. „Es wird schon gehen“, versicherte ich sie. „Das ist Abenteuer, wenn alles bombensicher wäre, wäre es nicht spannend!“. Ihre skeptische Blicke werden erst auf der steilen Auffahrt von Fussendraß in Richtung Pfundererjoch lockerer. Es ist sehr heiß, der Himmel ist blau und die Stimmung wird entspannter, trotz des schweren Rücksacks.

pfunderer joch by marcotoniolo.comDie Almen, bei denen wir übernachten wollten, erreichen wir am frühen Nachmittag. Wir befinden uns oberhalb der Waldgrenze, das Pfunderer Joch scheint nicht weit entfernt zu sein, der Weg ist bis zum Pass deutlich zu erkennen. Alles ist idyllisch, fast verdächtig ruhig. „Und jetzt? Was machen wir?“ fragt Toby. Tja, um es richtig gemütlich zu haben fehlt es an Bier oder Wein. Eine einzige Alm weiter oben am Berg scheint bewohnt zu sein. Entspannt radeln wir dahin und genießen den prächtigen Sommertag. Drei Schäfer wohnen dort und verkaufen uns, nach kürzer Überzeugungsarbeit, frischen Käse und Bier. Perfekter könnte der Tag nicht sein. Keiner von uns könnte erahnen, dass irgendein Gewitter kommen könnte. Erst am Spätabend, während wir am Lagefeuer sitzen, frischt der Wind auf. Die Sterne verschwinden. Der Mond wird erst orange, dann ist auch er nicht mehr zu sehen. Die Flammen des Feuers gehen nicht mehr nach oben, sondern horizontal in Windrichtung. Ein gewaltiger Blitz macht die Nacht zum Tag, direkt am Bergkamm oberhalb von uns. In weniger als zwei Minuten fing es an im Strömen zu regnen.

Taschenlampe haben wir aus Gewichtsgründen keine dabei. In der völligen Dunkelheit tasten wir uns zu einer Alm, die wir am Nachmittag offen gefunden haben. Es ist eine alte Jagdhütte, die längst renovierungsbedürftig wäre. Für heute Nacht genügt sie vollkommen. Wir finden eine dieser roten Kerzen, die man in Friedhöfen  benutzt und in ihrem spärlichen Licht quartieren wir uns auf dem Boden ein. Draußen ist die Hölle los.






 
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