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Seite 1 von 3 Schneeberg: eine Zeitreise mit dem Bike
Die eiserne Tür knarrt gespenstisch. Ein feuchter Luftzug blähst auf unsere Gesichter. Es riecht wie im nassen Keller eines alten Gebäude. Das spärliche Licht zeigt ein langer Tunnel mit zwei rutschigen Gleisen in der Mitte. Wenige Meter weiter zweigt ein zweiter Tunnel nach links ab. Aufs Bike zu springen und in die Dunkelheit abzutauchen scheint fast wie ein Reflex aus, um zu entdecken was sich in diesem Berg versteckt. „Die Bikes könnt ihr hier lassen.“ Die Stimme des Hüttenwirtes bringt uns zur Realität zurück. Bald gibt es Abendessen auf der Schneeberghütte. Und ein frisches Bier, gerade aus diesem kühlen Bike – Keller geholt.  80 Kilometer, 2700 Höhenmeter und zwei einsame Tage im Ridnaun- und Passeiertal, mit dem prächtigen Panorama des Alpenhauptkamms der Stubaier Alpen. Diese Tour verläuft komplett auf italienischem Boden, greift aber tief in die Geschichte Tirols und seines wichtigsten Blei- und Zinkbergwerk, dem wir die Wege und die Singletrails des ersten Tourentages danken müssen.
Dass die Tour kein Spaziergang gewesen wäre, wussten wir schon nach der Planung auf der Karte. Eine lange Schiebestrecke wartet auf uns unterhalb des höchsten Punktes der Route. Dass der Start so steil ist, wussten wir aber nicht. Camilla schaut mich fragend an. Ihre grüne Augen würden mich auf der Stelle zur Asche machen. Lorenz, dagegen, ist schon im Auffahrt-Trance Modus. Er sagt nicht viel, baut sein Bike zusammen, sperrt das Auto ab und spendet keinen Blick zur steilen und sonnenausgesetzten Rampe, die auf uns wartet. Im kleinsten Gang klettern wir das tief eingeschnittenen Lazzachertal hoch. Die Sicht ist von steilen Bergen in allen Richtungen gesperrt. Erst eine gute Stunde später kommen wir zu einem grünen Hochebene von dem wir die kompletten 600 Höhemeter lange Schiebestrecke sehen können. Wir befinden uns im ehemaligen höchsten Bergwerk Europas, das bis zu 2500 Meter Höhe ging. Ein Riesennetz an Materialseilbahnen verbündete die Berge mit Sterzing, 1600 Meter weiter unten, im Eisacktal, mit seinen 27 Kilometer die längste Übertage-Förderanlage der Welt. Ein Stollen unter der Schneebergscharte wurde 1727 gebaut, um den steilen und im Winter lawinengefährdeten Hang zu vermeiden. Genau da hoch führt unser Pfad. Der Stollen ist seit langem gesperrt, uns bleibt nichts anderes übrig, als mühsam unsere Bikes hoch zu schieben.
 Es ist schon sechs Uhr Abends, als wir am höchsten Punkt ankommen. Die Luft ist klar und die Sicht phänomenal. Wir befinden uns tatsächlich auf einer schmalen Scharte, von der wir sowohl unseren Aufstiegsweg als auch den verlockenden Trail bergab folgen können. Drum herum die Zacken des Hauptkamms, die sich endlos in die ferne Weite des Horizonts zu wiederholen scheinen, als ob man sich zwischen zwei Spiegel befinden würde. Das Dach der Schneeberghütte glänzt in der Abendsonne weit unter uns, ein serpentinenreicher Pfad ist unser roter Teppich zum Abendessen.
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